Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind dort höher wo Gleichberechtigung klein geschrieben wird

Nach wie vor verdienen Frauen in der Schweiz im Durchschnitt bedeutend weniger als Männer. Das Bundesamt für Statistik (BfS) beziffert den Lohnunterschied im Jahre 2012 immer noch auf knapp 19% (BfS, 2014). Diese Zahlen sind leicht zu berechnen und werden kaum angezweifelt.

Unumstritten ist, dass ein Teil der Lohnunterschiede darauf zurückgeht, dass Frauen andere Berufe, Ausbildungsniveaus oder Erwerbsunterbrechungen haben als Männer. Allerdings können die Unterschiede in solchen messbaren, die Produktivität beeinflussenden Faktoren laut BfS nur ca. 60% des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen erklären (BfS, 2014). Ob, und in welchem Umfang, es sich beim nicht erklärten Teil tatsächlich um Diskriminierung handelt (und nicht etwa um weitere, nicht messbare Produktivitätsunterschiede), ist dagegen umstritten.

Simon Janssen, Simone Tuor Sartore und Uschi Backes-Gellner stellen eine neuartige empirische Untersuchung für die Schweiz vor, die Licht ins Dunkel der Ursachen geschlechts-spezifischer Lohnunterschiede bringt (Janssen/Tuor/Backes-Gellner 2015). Sie kommen zu dem Schluss, dass ein nicht vernachlässigbarer Anteil der Lohnunterschiede auf diskriminierende Sozialnormen zurückgeht. Es zeigt sich sehr deutlich, dass die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede in jenen Niederlassungen eines Unternehmens grösser sind, in deren regionalem Umfeld es eine höhere Akzeptanz von Geschlechterungleichheit bzw. Diskriminierung gibt. Die Ergebnisse legen allerdings nahe, dass gleichzeitig die Diskriminierungskanäle nicht einfach nur die Unternehmen und ihre Manager sind – wie dies implizit in politischen Diskussionen oft unterstellt wird.

Eine Kurzzusammenfassung der Studie finden Sie hier:

Weiterführende Informationen finden sich in Janssen, Simon; Simone Tuor, Uschi Backes-Gellner (2015): Discriminatory social attitudes and varying gender pay gaps within firms, Zürich, Januar 2015 (erscheint in Industrial and Labor Relations Review 2015). Eine ausführliche Version ist außerdem als Working Paper frei verfügbar: Link.